Dating portale vergleich Fürth

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Zwar wusste ich, dass es Mörder auf der Welt gab, auch solche, die ihre Mütter umgebracht hatten, aber konnte es tatsächlich sein, dass ausgerechnet ich mit einem von ihnen verwandt war?Ich, die ich mein Leben lang mit überhaupt niemandem verwandt war? " STANDARD: Frau Wodin, warum taten Sie sich das an?Wodin: Ja, sie ist an einem Tag im Oktober weggegangen, und als sie bis Mitternacht noch nicht zurück war, wusste ich, dass sie ins Wasser gegangen ist. Wodin: Ja, ich kannte sie gar nicht ohne diese ständige Ankündigung.

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Darin hat die 1945 im fränkischen Fürth als Tochter russisch-ukrainischer Zwangsarbeiter geborene Autorin die Spurensuche hinsichtlich ihrer Mutter dokumentiert, und obwohl Wodin sich heute von ihrem Debüt distanziert ("Vieles davon ist mir inzwischen peinlich"), macht sie in Sie kam aus Mariupol den Zusammenhang der beiden Bücher explizit: "Mein erstes Buch war so etwas wie der Versuch einer Autobiographie gewesen, aber damals hatte ich keine Ahnung gehabt von meiner Biographie, ich hatte mein Leben und seine Zusammenhänge nicht gekannt.Meine Mutter war immer eine innere Figur für mich geblieben, Teil einer vagen, im Ungefähren angesiedelten Privatvita, die ich mir jenseits politischer und historischer Zusammenhänge erfunden hatte, in einem Niemandsland, in dem ich ein herkunftsloses, wurzelloses Einzelwesen war." Sie habe sich, erzählt Natascha Wodin, von der "Schnapsidee", den Namen ihrer Mutter in eine russische Suchmaschine einzugeben, zunächst überhaupt nichts erwartet, und sie sei regelrecht erschrocken, als sie auf einen Eintrag aus dem Geburtenregister der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stieß: "'Iwaschtschenko, Jewgenia Jakowlewna, Geburtsjahr 1920, Geburtsort Mariupol'. So wenig ich über meine Mutter auch wusste, ich wusste, dass sie 1920 in Mariupol geboren war.So entgingen sie dem Schicksal der Rückkehrer, die in der Heimat der Gulag erwartete oder ein Dasein als geächtete Kollaborateure, die ihr Leben lang aus der Gesellschaft ausgeschlossen blieben.STANDARD: Ihre Eltern fanden zunächst Unterschlupf in einem Lagerschuppen eines deutschen Eisenwarenfabrikanten, ehe sie im Valka-Lager, dem damals größten bayerischen Barackenlager für Displaced Persons, und schlussendlich in einer eigens errichteten Siedlung für nunmehr "heimatlose Ausländer" am Forchheimer Stadtrand untergebracht wurden, wo sich Ihre Mutter 1956, im Alter von 36 Jahren, das Leben nahm.STANDARD: Ihre Mutter entstammte – entgegen Ihren Annahmen – einem ukrainisch-baltischen Adelsgeschlecht und einer sehr wohlhabenden italienischen Kaufmannsfamilie ... Ich bin ja sechzig Jahre lang davon ausgegangen, dass sie aus dem ganz einfachen ukrainischen Volk kommt, also von diesen gütigen, gläubigen und bäuerlich geprägten Menschen.

STANDARD: Hat sie Sie denn bewusst im Unklaren über ihre Herkunft gelassen? Ich war ja noch ein Kind, aber ich erinnere mich, dass sie mir von ihrer italienischen Mutter und ihrem steinreichen italienischen Großvater erzählt hat.Ich wollte dieses Buch unter meinem russischen Mädchennamen Natascha Wdowin veröffentlichen", schreibt Natascha Wodin 1983 (als Anmerkung) in Die gläserne Stadt, ihrem literarischen Debüt.Und weiter: "Der Verlag bestand darauf, dass ich diesen Namen eindeutsche, leicht lesbar und aussprechbar für Deutsche mache.Am nächsten Tag, dem Tag des Schulausflugs, fand man ihre Leiche am Ufer der Regnitz.STANDARD: Wie hat die Arbeit am Buch Ihr Bild von Ihrer Mutter verändert? Eine, an die ich mich erinnere, und eine, die ich im Internet gefunden habe.Wodin: Ja, sie gehörten zu den Millionen Zwangsarbeitern aus dem Osten, die in der deutschen Kriegsindustrie verschlissen wurden.